09.02.2012

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Kartenspiele

Der Gebrauch von Spielkarten ist in der Überlieferung erst seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Doch Fachleute gehen davon aus, daß Urformen schon lange vorher existierten. Nur die urkundlich festgehaltenen Spielverbote der Kirche belegen den ungefähren Zeitraum, ab dem Spielkarten auf Papier oder anderen, leicht transportierbaren Materialien verfügbar waren.

Den Ursprung aller Kartenspiele vermutet man im Tarock. Gérard van Rijnberk (1875-1953), ein niederländischer Mediziner und Historiker, hat sich in seinem bilderreichen Werk „Le Tarot, Histoire, Iconographie, Esotérisme – Lyon 1947“ ausführlich damit beschäftigt, daß das Kartenlegen wohl doch nicht einen ägyptischen Ursprung hat und auch die Verbreitung durch die Zigeuner auszuschließen sei. Seiner Meinung nach war das Tarock mit seinen 78 Karten, davon 56 Farbkarten  und 22 Trümpfe, die Primitivform der Spielkarten, wie sie unter dem Namen Nayb (ein Ausdruck in der Sarazenensprache) im 13. und 14. Jahrhundert in Europa eingeführt wurden.

Erst im 18. Jahrhundert begann man in den symbolreichen Darstellungen der 22 Trümpfe verschlüsselte Weisheiten zu vermuten. Dies begründete sich auf die Legende, daß vor vielen tausend Jahren die Priester Ägyptens einen Weg suchten, ihr geheimes Wissen  zu erhalten und der würdigen Nachwelt zu überliefern. Die Priester waren sich einig, das einzige was auf dieser Welt Bestand zu haben schien, das Laster war. Sie übertrugen ihre Weisheiten auf die Karten und übergaben sie dem einfachen Volke. Sie waren überzeugt, der Eingeweihte würde die Geheimnisse der Symbole enträtseln und der Unwissende würde dazu beitragen, dieses Spiel in alle Welt zu verteilen.

Für Divinatorische Zwecke wandelten sich die Tarockkarten zum Tarot. Die 22 Trümpfe forderten eine genaue Kenntnis der Symbolik, da hier Zeichen aus der Astrologie, Alchimie, Psychoanalyse und auch der Religion dargestellt wurden. Die 56 Farbenkarten waren leichter zu deuten, da sie eher Begebenheiten aus dem „normalen“ Leben beschrieben. Eindeutige Forschungen zur Entwicklung der Wahrsagekarten gibt es nicht, doch scheinen hier sowohl kulturelle als auch geschäftliche Interessen zusammengetroffen zu sein.

Etteilla (1738-1791) und Marie Anne Adelaïde Lenormand (1768-1848) entwickelten ein eigenes Tarockspiel aus den 56 Farbkarten. Es wurden auch noch die Ritter aus dem Blatt entfernt und so blieben 52 Karten übrig. Daraus entstand  sowohl die divinatorische Vorlage für das heute erhältliche „Astro-mythologische Deck“ als auch das ganz gewöhnliche Bridgespiel. Ebenso war es gängig 32 Karten – wie beim Skat zu verwenden, dafür entfielen auch die Zahlenkarten einer jeden Farbe von 2 bis 6. Eine Abwandlung ist aus Italien bekannt. Hier waren wiederum die Ziffernkarten 6 mit im Spiel enthalten und das Deck bestand aus 36 Karten. Madame Lenormand, die berühmte Wahrsagerin zur Zeit Napoleons, ist wahrscheinlich die Vorreiterin aller heute erhältlichen Wahrsagespiele.

Besonders gerne wurden bei Hofe die Karten gelegt, denn hier wollte man auf die richtungsweisenden Informationen zur Politik, Liebe und Geschäft nicht verzichten. Die Kirche jedoch verbot die Karten für den Gebrauch des Glückspiels oder der Wahrsagerei in regelmäßigen Abständen unserer Zeitrechnung. Da aber gerade die Herrscher und Könige sich gerne die Karten legen ließen und mit der Kirche keine Schwierigkeiten bekommen wollten oder durften, ließen sie die Spielkarten  zu einem Gesellschaftspiel werden. Es sollten einfach mittels der Karten Geschichten zum Zwecke der allgemeinen Belustigung entstehen, doch sollte auch die Möglichkeit zur wirklichen Wahrsagerei nicht völlig verhindert werden.

Auf den Karten entstanden Bebilderungen zu den einzelnen Bedeutungen, der Farbkarten. Sie hatten prägnante Symbole oder Darstellungen von Situationen, die den Charakter oder den Hinweis der Zahlen- oder Hofkarten wiedergaben. Inspiriert wurde man wohl tatsächlich durch die Zigeuner, die sich auch der Kunst des Wahrsagens mittels Karten bedienten. Allerdings waren deren Karten längst nicht so ausgeschmückt, wie wir sie heute kennen, sondern mit einfachen Zeichen, wie Kreuzen, Kreisen oder Farben gekennzeichnet.



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